NASA’s Webb enthüllt ein dynamisches Panorama der Sternentstehung

Originalveröffentlichung am 15.09.2026 zu finden unter: https://science.nasa.gov/mission/webb/latestnews/

Zusammenfassung: Eine der größten bislang veröffentlichten Webb-Aufnahmen

Ein beeindruckender Blick auf die nahegelegene Sternentstehungsregion IC 348 offenbart ein aktives Geschehen: Sowohl neugeborene Sterne, die ihre Umgebung formen als auch die kleinsten jemals entdeckten Braunen Zwerge. Tiefe Beobachtungen dieser Region durch NASA’s James-Webb-Weltraumteleskop brachten Braune Zwerge mit einer Masse von nur etwa der doppelten Masse des Jupiter ans Licht; dies liefert neue Erkenntnisse, und zugleich neue Herausforderungen, für das Verständnis der Entstehung von Sternen und Objekten mit Planetenmasse. Die Beobachtungen gewähren einen Einblick in eine Phase des stellaren Lebenszyklus, den Webb im gesamten Universum erforscht, von der Geburt von Sternen und Planeten bis hin zu ihrem endgültigen Verlöschen.

Diese sternenreiche Aufnahme der nahegelegenen Sternentstehungsregion IC 348 ist eines der bislang größten Bilder, die vom James-Webb-Weltraumteleskop der NASA veröffentlicht wurden. Mithilfe von Webb suchten Astronomen in IC 348 nach Braunen Zwergen, die masseärmer sind als die kleinsten Sterne. Die Forscher entdeckten Braune Zwerge, die nur die doppelte Masse des Jupiter aufweisen, wodurch die Untersuchung dieser sonderbaren Objekte in einen neuen Massenbereich geführt und neue Erkenntnisse über den Prozeß der Sternentstehung offenbar werden.

Die Sternentstehungsregion IC 348 liegt gerade einmal 1.000 Lichtjahre entfernt im Sternbild Perseus. In Regionen wie IC 348 kollabieren kalte Wolken aus molekularem Wasserstoffgas und bilden neue Sterne, wodurch leuchtende, geformte Strukturen wie die hier gezeigte entstehen. Der Prozeß der Sternentstehung kann höchst unterschiedliche Objekte hervorbringen, von massereichen Sternen, die nach nur wenigen Millionen Jahren in einer Kernkollaps-Supernova vergehen, bis zu den kleinsten und häufigsten Sternen, die eine lange Lebensdauer haben und heftige stellare Stürme erzeugen.

Die kleinsten Sterne bringen etwa 8 Prozent der Masse unserer Sonne auf die Waage. Unterhalb dieser Massengrenze findet sich eine seltsame Klasse von Objekten: Braune Zwerge. Braune Zwerge entstehen auf die gleiche Weise wie Sterne, durch den Kollaps von Molekülwolken. Im Gegensatz zu Sternen werden die Kerne Brauner Zwerge jedoch nie heiß genug, um gewöhnlichen Wasserstoff zu Helium zu verschmelzen (auch wenn viele von ihnen in ihrer frühen Entwicklungsphase kurzzeitig Deuterium, also schweren Wasserstoff, fusionieren).

Was noch unklar ist, und was Forscher durch die Untersuchung von IC 348 mit den empfindlichen Instrumenten von Webb herausfinden wollten, ist, wie klein die kleinsten Objekte sind, die bei der Sternentstehung geschaffen werden. Mit anderen Worten: Wie klein ist der kleinste Braune Zwerg?

Um diese Frage zu beantworten, untersuchten Forscher IC 348 erstmals im Jahr 2022 mit Webb und entdeckten dabei Braune Zwerge, deren Masse nur das Drei- bis Vierfache der Masse des Jupiters betrug. Nun hat dasselbe Forschungsteam Webb genutzt, um noch tiefer in diese Region vorzudringen und nach noch kleineren Braunen Zwergen zu suchen.

2024 setzte das Team die NIRCam (Nahinfrarot-Kamera) von Webb ein, um das warme Leuchten junger Brauner Zwerge und neugeborener Sterne einzufangen, die auf dieser neuen Aufnahme von IC 348 zu sehen sind. Nachdem sie anhand von Farbe und Helligkeit Kandidaten für Braune Zwerge ausgewählt hatten, führten sie 2025 mit Webb’s NIRSpec (Nahinfrarot-Spektrograph) spektroskopische Beobachtungen durch, um die Massen der Braunen Zwerge zu untersuchen.

Diese tiefen Webb-Beobachtungen offenbarten den Forschern Bemerkenswertes: Braune Zwerge mit Massen, die nur das Zweifache der Jupitermasse, oder lediglich 0,19 Prozent der Sonnenmasse, betragen – weit masseärmer, als es die Theorie für Braune Zwerge vorhersagt. Dies sind die masseärmsten bekannten Braunen Zwerge, und ihre Existenz stellt eine Herausforderung für die Modelle der Sternentstehung dar.

Neben der Entdeckung dieser unerwartet massearmen Braunen Zwerge hielten die Webb-Beobachtungen noch weitere Überraschungen bereit. Einer der neu entdeckten, besonders leichten Braunen Zwerge wies Anzeichen einer Scheibe auf; dies deutet darauf hin, daß sich kleine Planeten um ein Objekt bilden könnten, das selbst nur die Masse eines Planeten besitzt.

Bei der Untersuchung der Spektren der Braunen Zwerge in IC 348 stieß das Forschungsteam zudem auf eine Besonderheit, die einem nicht identifizierten Kohlenwasserstoff – Moleküle, die ausschließlich aus Wasserstoff- und Kohlenstoffatomen bestehen – zugeordnet wurde. Dieses spezifische Merkmal ist nur in den Atmosphären der masseärmsten Braunen Zwerge beobachtet worden, was darauf hindeutet, daß diese extremen Objekte in einer eigenen Spektralklasse vorkommen könnten.

Die Sterne und Braunen Zwerge von IC 348 sind nicht die einzigen Attraktionen in dieser Aufnahme. In der oberen rechten Ecke befindet sich eine An-sammlung prächtiger, detailreicher Protosterne. Mehrere dieser Protosterne sind von Herbig-Haro-Objekten begleitet, leuchtende Regionen, die entstehen, wenn Jets von wachsenden, neugeborenen Sternen auf das umgebende Gas und den Staub prallen.

Bei der langen, schmalen Struktur, die in dieser Ecke horizontal ausgerichtet ist, handelt es sich um das Herbig-Haro-Objekt HH 797. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich diese Quelle als zwei Protosterne mit nahezu parallelen Ausströmungen. Direkt rechts von HH 797 liegt das propellerförmige Objekt HH 211, das schmale Jets als auch breitere Ausströmungen zeigt.

Die für die Erstellung dieses Bildes verwendeten Daten stammen aus dem Webb General Observer Program 4866. Zusätzlich zum Studium der Bildung der masseärmsten Objekte bei der Sternentstehung, zielt dieses Programm auch darauf ab, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie sich die Populationen von Objekten mit Planetenmasse, etwa Braune Zwerge, zwischen verschiedenen Sternentstehungsgebieten unterscheiden, sowie den Ursprung des Kohlenwasserstoff-Merkmals bei den masseärmsten Braunen Zwergen zu ergründen.

Das James-Webb-Weltraumteleskop ist das weltweit führende Observatorium für Weltraumforschung. Webb wird Rätsel in unserem Sonnensystem lösen, einen Blick auf ferne Welten um andere Sterne werfen und die geheimnisvollen Strukturen und Ursprünge unseres Universums und unseren Platz darin erforschen. Webb ist ein internationales Programm unter der Leitung der NASA und ihrer Partner ESA (Europäische Weltraumorganisation) und CSA (Kanadische Weltraumorganisation).

IC 348 (NIRCam Ansicht)

Ansicht: NASA, ESA, CSA, Kevin Luhman (PSU),
Catarina Alves de Oliveira (ESA), Mahdi Zamani (ESA/Webb)
  • Fast Facts
  • Objekt
  • Objektname(n): IC 348
  • Objektbeschreibung: Offener Sternhaufen
  • Rektaszension: 03:44:34.28
  • Deklination: +32:09:43.10
  • Sternbild: Perseus
  • Entfernung: Etwa 1.000 Lichtjahre
  • Abmessung: Das Bild ist etwa 19,1 Bogenminuten hoch (0,1 Lichtjahre)
  • Daten
  • Instrument: NIRCam
  • Filter: F162M, F182M, F360M, F444W
  • Bild
  • Farbinformation: Dieses Ansicht ist eine Zusammensetzung aus einzelnen Aufnahmen, die das James-Webb-Weltraumteleskop mit dem Instrument NIRCam gewonnen hat. Mehrere Filter wurden zur Erfassung spezifischer Wellenlängenbereiche verwendet. Die Farbe ergibt sich aus der Zuweisung unterschiedlicher Farbtöne zu den jeweiligen monochromatischen (Graustufen-)Bildern, die den einzelnen Filtern zugeordnet sind. In diesem Fall ist die Farbzuweisung:
  • Blau: F162M + F182M Grün: F360M Rot: F444W

Über das Bild: Das James-Webb-Weltraumteleskop der NASA hat kürzlich IC 348 ins Visier genommen, eine Sternentstehungsregion, die nur 1.000 Lichtjahre von der Erde entfernt liegt. Es handelt sich um eine der größten Aufnahmen von Webb, die bislang der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Diese nahinfrarote Ansicht von IC 348 offenbart eine Ansammlung von Objekten, die als Braune Zwerge bezeichnet werden – Himmelskörper, die kleiner sind als die kleinsten Sterne.

Mithilfe der außergewöhnlichen Empfindlichkeit von Webb’s NIRCam (Nahinfrarot-Kamera) spürten Forscher in IC 348 die kleinsten Braunen Zwerge auf; sie bringen lediglich die doppelte Masse des Jupiter auf die Waage. Dies sind die masseärmsten bekannten Braunen Zwerge, und ihre Existenz stellt die gängigen Modelle zur Sternentstehung vor Herausforderungen.

Neben den Braunen Zwergen und jungen Sternen, die über den wirbelnden Nebel verstreut sind, bietet die Ansicht einen einzigartigen Blick auf einige wenige Protosterne, die in der oberen rechten Ecke zu sehen sind. Diese Protosterne stoßen energiereiche Jets aus, die auf das umgebende Gas und den Staub prallen und dabei leuchtende Regionen erzeugen, die man Herbig-Haro-Objekte nennt.

IC 348 (Collage)

Ansicht: NASA, ESA, CSA, Kevin Luhman (PSU),
Catarina Alves de Oliveira (ESA), Mahdi Zamani (ESA/Webb)
  • Fast Facts
  • Objekt
  • Objektname(n): IC 348
  • Objektbeschreibung: Offener Sternhaufen
  • Rektaszension: 03:44:34.28
  • Deklination: +32:09:43.10
  • Sternbild: Perseus
  • Entfernung: Etwa 1.000 Lichtjahre
  • Daten
  • Instrument: NIRCam
  • Filter: F162M, F182M, F360M, F444W
  • Bild
  • Farbinformation: Dieses Ansicht ist eine Zusammensetzung aus einzelnen Aufnahmen, die das James-Webb-Weltraumteleskop mit dem Instrument NIRCam gewonnen hat. Mehrere Filter wurden zur Erfassung spezifischer Wellenlängenbereiche verwendet. Die Farbe ergibt sich aus der Zuweisung unterschiedlicher Farbtöne zu den jeweiligen monochromatischen (Graustufen-)Bildern, die den einzelnen Filtern zugeordnet sind. In diesem Fall ist die Farbzuweisung:
  • Blau: F162M + F182M Grün: F360M Rot: F444W

Über das Bild: Diese Collage zeigt eine Zusammenstellung von Ausschnitten aus der Aufnahme des massereichen Sternentstehungsgebiets IC 348, die mit NASA’s James-Webb-Weltraumteleskop erstellt wurde. Jedes dieser sechs Ausschnitte präsentiert interessante Einzelheiten, die im gesamten Bildfeld zu sehen sind:

  1. In einen Nebel eingebetteter Stern: Dieser kleine Ausschnitt des Bildfelds zeigt zwei Sterne, die tief in eine Gas- und Staubwolke eingebettet sind. Das kurzwellige Infrarotlicht des großen Sterns wird vom Staub absorbiert, sodaß er bei längeren Wellenlängen, die hier orange dargestellt sind, am hellsten erscheint. Dieselbe Staubabsorption erzeugt auch die Silhouetten im Bild.
  2. Zentraler Sternhaufen: Das Zentrum von IC 348 wird von hauchzarten Gasschleiern beherrscht, die eine große Schleife bilden. Die Winde der zahlreichen Sterne formen die Wolken aus interstellarem Gas und Staub, und die Wolken reflektieren das Licht der Sterne des Haufens, ein Phänomen, das als Reflexionsnebel bezeichnet wird.
  3. Sterne und lichtschwache Ausströmungen: Hier am Rand des Feldes leuchten zwei Sterne aus Gas- und Staubwolken hervor. Die Sterne erscheinen gleich hell, doch der orangefarbene liegt tiefer eingebettet. Bei den dünnen roten Bögen und Flecken in der Nähe der Sterne handelt es sich um heiße, leuchtende Schockwellen, die durch schnell verlaufende Ausbrüche der Sterne entstehen.
  4. Herbig-Haro-Objekte: Diese relativ kleine Region im oberen Teil des Bildes ist voller langer, leuchtender Ausströmungen und kräftiger Farben in den Wellen aus Gas und Staub. Die Ausströmungen, als Herbig-Haro-Objekte bekannt, entstehen durch Sternwinde oder Jets von Protosternen, die sich in die sie umgebenden dichten Wolken hineinbohren. Gleich drei Objekte in diesem Bereich waren bereits Gegenstand eigener Aufnahmen, ein Beleg dafür, wie reichhaltig dieses Sternentstehungsgebiet ist.
  5. Gravitationslinseneffekt: Dieses winzige Objekt, das auf den ersten Blick fast wie ein Planet mit einem Ring erscheint, besteht in Wirklichkeit aus zwei Galaxien. Die Blaue liegt näher bei uns, die orangefarbene Galaxie befindet weit dahinter, jedoch in exakt passender Ausrichtung. Dadurch wird das Licht der orangefarbenen Galaxie durch die Schwerkraft der blauen Galaxie abgelenkt, wodurch ein vergrößertes, verzerrtes Bild entsteht.
  6. Spiralgalaxien: Einige der markanteren Galaxien, die hinter den Gas- und Staubwolken sichtbar sind. Während die Region IC 348 ungefähr 1.000 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, liegen diese Galaxien Millionen von Lichtjahren entfernt; die noch kleineren Galaxien, die im Hintergrund als farbige Punkte erscheinen, sind sogar bis zu Milliarden von Lichtjahren weit weg.
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