Originalveröffentlichung am 06.10.2026 zu finden unter: https://science.nasa.gov/mission/webb/latestnews/
Zusammenfassung: Webbs Infrarotblick enthüllt Sterne in verschiedenen Stadien ihres Lebenszyklus in hoher Auflösung
Eine farbenprächtige Traumlandschaft offenbart sich auf dieser neuen Aufnahme des James-Webb-Weltraumteleskops der NASA. Sie zeigt eine Sternentstehungsregion namens NGC 7129, einen Nebel, der in seinen Wolken aus Gas und Staub zahlreiche Protosterne und Sterne beherbergt. Webb fing Infrarotlicht ein, das die dichte Materie durchdringt, welche andere Arten von Licht streut oder absorbiert. Diese Region, die reich an stellaren Objekten in unterschiedlichen Entwicklungsstadien ist, bietet die Gelegenheit zu erforschen, wie Sterne ihre Umgebung prägen.
Eine Brutstätte kosmischer Schöpfung wird auf einer neuen Aufnahme von NASA’s James-Webb-Weltraumteleskop sichtbar. Webb hat zahlreiche Sterne enthüllt, die zuvor in einer Sternentstehungsregion namens NGC 7129 – etwa 3.300 Lichtjahre von der Erde entfernt – hinter Staubwolken verborgen waren.
Sterne, die Motoren hinter der Entstehung chemischer Elemente, durchlaufen Lebenszyklen, die mit ihrer Geburt in Molekülwolken beginnen – kalten, dichten Regionen aus Staub und Gas. Aufgrund dieser staubigen Hüllen sind junge Sterne für viele Teleskope oft nicht sichtbar, insbesondere für solche, die kein Infrarotlicht erfassen können. Webb verfügt jedoch über eine hohe Infrarotempfindlichkeit, die es Astronomen ermöglicht, durch diesen Staub hindurch zu blicken und die Anfänge des Sternenlebens zu untersuchen.
Die Sterne dieses Haufens befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien, da sich die massereicheren Sterne am schnellsten bilden und entwickeln. Der massereichste (und am weitesten entwickelte) Stern ist der leuchtkräftige Zentralstern der Region, LkH alpha 234. Dieser Stern, der das markanteste Beugungsmuster im Bild aufweist, ist ein Stern im Vorhauptreihenstadium mit einer Masse, die etwa dem Fünf- bis Achtfachen unserer Sonne entspricht. Sterne im Vorhauptreihenstadium haben die Phase der Massenansammlung weitgehend abgeschlossen und kontrahieren unter dem Einfluß der Schwerkraft, wodurch ihre Temperatur steigt. Im Laufe der Zeit wird dieser Stern genau wie unsere Sonne seinen eigenen Wasserstoff fusionieren.
Der goldfarbene Hohlraum zu seiner Linken, der sich über circa 3,5 Lichtjahre erstreckt, ist das deutlichste Zeugnis für den Einfluß des Zentralsterns. Ausströmende Materie aus einem früheren Stadium des Sternenlebens frißt sich in die dichte molekulare Wasserstoffwolke hinein. Sowohl diese Ausströmungen als auch das Licht des Sterns regen das Gas an und bringen es zum Leuchten. Während ein Großteil dieses Wasserstoffgases davongeblasen wird, werden große Mengen davon auch komprimiert, wodurch die Voraussetzungen für die Entstehung weiterer Sterne geschaffen werden.
Einige dieser Sterne sind im Inneren des Hohlraums sichtbar. Mehrere von ihnen befinden sich ebenfalls in einem Vorhauptreihenstadium und setzen Sternwinde frei. Die nahegelegenen Bugschockwellen, das gekrümmte komprimierte Gas in Sternnähe, entstehen, wenn diese Winde gegen das energiegeladene Gas drücken und ihre eigenen, kleineren Hohlräume bilden.
Gemeinsam bringen die zentralen und eingebetteten Sterne auch den scharfen Grat am oberen Rand des goldenen Hohlraums hervor. Ihr Licht schafft eine heiße Umgebung, die gegen das kältere und dichtere molekulare Gas außerhalb des Hohlraums drückt und eine Grenzschicht bildet, die als Photodissoziationsregion bekannt ist. In diesem Bereich zerfallen Wasserstoffmoleküle in Atome. Durch die Beeinflussung von Temperatur und Chemie in diesem Gebiet gewährt die Sternansammlung Einblicke darin, wie sich solche Molekülwolken im Laufe von Jahrmillionen allmählich auflösen.
Der Bereich rechts vom Zentralstern erzählt eine andere, aber ebenso chaotische Geschichte. Die in Rot dargestellte, klumpige Materie verbirgt weitaus jüngere Objekte als jene auf der linken Seite: Protosterne. Das Stadium der Protosterne liegt vor dem Vorhauptreihenstadium und tritt ein, nachdem sich Molekülwolken aus Gas und Staub zunächst verdichtet und fragmentiert haben.
Während die Protosterne Materie ansammeln und an Masse zulegen, stoßen sie Ausströmungen aus extrem heißem Material ab. Diese Ausströmungen wechselwirken mit der dichten, grauen und lichtdurchlässigen Materie, in die die Protosterne eingebettet sind, und erzeugen Schockwellen, die für das reliefartige Erscheinungsbild sorgen. Auch das rote Leuchten ist das Ergebnis dieser Wechselwirkung. Da sich aus unserer Sicht die Ausströmungen mehrerer Sterne überlagern, entsteht der chaotische Eindruck der Szene.
Weitere dieser protostellaren Ausströmungen sind oben links im Bild in der Nähe eines blau gefärbten Nebels zu sehen. Im Zentrum dieser blauen Region befindet sich ein Protostern, der von einer ringförmigen Materialscheibe umgeben ist. Diese Scheibe wirft einen Schatten auf den umgebenden Nebel, der an eine ähnliche Struktur erinnert, die als „Fledermausschatten“ bekannt ist und bereits mit dem Hubble-Weltraumteleskop der NASA beobachtet wurde.
Webb’s hohe räumliche Auflösung macht viele detailreiche Strukturen im Gas der Region sichtbar und knüpft damit an frühere Untersuchungen des inzwischen außer Dienst gestellten Spitzer-Weltraumteleskops der NASA an. Astronomen werden diese Webb-Daten weiterhin nutzen, um zu erforschen, wie die Sterne und Protosterne in dieser Region das umgebende Gas und den Staub beeinflussen.
Das James-Webb-Weltraumteleskop ist das weltweit führende Observatorium für Weltraumforschung. Webb wird Rätsel in unserem Sonnensystem lösen, einen Blick auf ferne Welten um andere Sterne werfen und die geheimnisvollen Strukturen und Ursprünge unseres Universums und unseren Platz darin erforschen. Webb ist ein internationales Programm unter der Leitung der NASA und ihrer Partner ESA (Europäische Weltraumorganisation) und CSA (Kanadische Weltraumorganisation).
NGC 7129 (NIRCam Ansicht)
- Fast Facts
- Objekt
- Objektname(n): NGC 7129
- Objektbeschreibung: Sternentstehungsgebiet mit protostellaren Jets
- Rektaszension: 21:43:05.02
- Deklination: 21:43:05.02
- Sternbild: Cepheus
- Entfernung: Etwa 3.300 Lichtjahre entfernt
- Abmessung: Dieses Bild hat einen Durchmesser von etwa 6 Bogenminuten (5,7 Lichtjahre)
- Daten
- Instrument: NIRCam
- Filter: F115W, F187N, F200W, F335M, F444W, F470N
- Bild
- Farbinformation: Diese Aufnahmen wurden mit dem Instrument NIRCam des Webb-Weltraumteleskops gewonnen. Zur Erfassung unterschiedlicher Wellenlängenbereiche kamen mehrere Filter zum Einsatz. Die Farbgebung ergibt sich aus der Zuweisung verschiedener Farbtöne zu den einzelnen monochromatischen (Graustufen-)Bildern, die jeweils einem bestimmten Filter zugeordnet sind. In diesem Fall lauten die zugewiesenen Farben:
- Blau: F115W+F187N Cyan: F200W Gelb: F335M Rot: F444W+F470N
Über das Bild: Das James-Webb-Weltraumteleskop der NASA hat inmitten der leuchtenden Gase von NGC 7129 zahlreiche Protosterne und Sterne sichtbar gemacht.
Der Bereich links vom Zentralstern ist mit heißem, atomarem Wasserstoffgas gefüllt, das ein goldenes Leuchten erzeugt, während der Bereich auf der rechten Seite von kühlerem, molekularem Wasserstoff geprägt ist. In dieser rechten Region eingebettete Protosterne stoßen Materieströme aus, die das umgebende Gas durch Stoßwellen aufheizen und ihm einen rötlichen Farbton sowie eine klumpige Struktur verleihen. Viele dieser roten Ausströmungen, die entstehen, während Protosterne an Masse gewinnen, sind im gesamten Bild zu erkennen.
Der Zentralstern sowie die Sterne innerhalb des goldenen Bereichs befinden sich in einem fortgeschritteneren Stadium ihres Lebenszyklus als die Protosterne, die rechts vom Zentralstern heranwachsen. Ihre Wärme spaltet den molekularen Wasserstoff in Atome auf und verursacht so die Unterschiede in Temperatur und Farbe. Das kälteste und dichteste Gas, in dem sich bislang noch keine Protosterne gebildet haben, ist in Grautönen dargestellt.
NGC 7129 Seite an Seite (Ansicht von Spitzer und Webb)
- Fast Facts
- Objekt
- Objektname(n): NGC 7129
- Objektbeschreibung: Sternentstehungsgebiet mit protostellaren Jets
- Rektaszension: 21:43:05.02
- Deklination: 21:43:05.02
- Sternbild: Cepheus
- Entfernung: Etwa 3.300 Lichtjahre entfernt
- Abmessung: Dieses Bild hat einen Durchmesser von etwa 6 Bogenminuten (5,7 Lichtjahre)
- Daten
- Instrument: Webb > NIRCam
- Instrument: Spitzer > IRAC
- Filter: Webb > F115W, F187N, F200W, F335M, F444W, F470N
- Filter: Spitzer > IRAC1 (3,6 Mikrometer), IRAC2 (4,5 Mikrometer), IRAC3 (5,8 Mikrometer), IRAC4 (8 Mikrometer)
- Bild
- Farbinformation: Links: Diese Aufnahme stammt vom Spitzer-Weltraumteleskop. Zur Erfassung unterschiedlicher Wellenlängenbereiche wurden mehrere Filter eingesetzt. Die Farbgebung entsteht durch die Zuweisung verschiedener Farbtöne (Farben) zu den jeweiligen monochromatischen (Graustufen-)Bildern der einzelnen Filter. In diesem Fall lautet die Farbzuweisung:
- Blau = IRAC1 Grün = IRAC2 Orange = IRAC3 Rot = IRAC4.
- Rechts: Diese Aufnahmen stammt vom Instrument NIRCam des Webb-Weltraumteleskops. Zur Erfassung unterschiedlicher Wellenlängenbereiche wurden mehrere Filter eingesetzt. Die Farbgebung entsteht durch die Zuweisung verschiedener Farbtöne (Farben) zu den jeweiligen monochromatischen (Graustufen-)Bildern der einzelnen Filter. In diesem Fall lautet die Farbzuordnung:
- Blau: F115W+F187N Cyan: F200W Gelb: F335M Rot: F444W+F470N
Über das Bild: Das inzwischen außer Dienst gestellte Spitzer-Weltraumteleskop der NASA beobachtete das heiße Gas und den Staub in NGC 7129 und konnte dabei zahlreiche Protosterne innerhalb des dichten Materials identifizieren. Allerdings erwies es sich als schwierig, bestimmte Details, etwa die Auswirkungen dieser Protosterne auf ihre Umgebung, aufzulösen.
Das NASA’s James-Webb-Weltraumteleskop ergänzt die Beobachtungen von Spitzer: Es zeigt Bugschockwellen, Sterne und Protosterne innerhalb des goldenen Hohlraums sowie die Auswirkungen von Ausströmungen der Protosterne in den dichten roten Wolken. Dank seiner hohen Empfindlichkeit erfaßt Webb zudem die schwache Infrarotstrahlung des kalten, grauen Gases – in dem sich noch keine Protosterne gebildet haben – sowie zahlreiche weit entfernte Hintergrundgalaxien.



