(Originalartikel unter https://www.astrochymist.org)
Das Cyanovinyl-Radikal (H2CCCN) wurde von Cabezas und Mitarbeitern nachgewiesen; der Bericht dazu erschien im Jahr 2023. Die Beobachtung in TMC-1 erfolgte mit dem 40-m-Teleskop Yebes. Cyanovinyl kommt in Ortho- und Para-Formen vor, die aus der parallelen bzw. antiparallelen Kombination der Kernspinzustände (±½) seiner Wasserstoffkerne hervorgehen (wie im H2-Molekül). Es wurden nicht nur die beiden Spinzustände, sondern auch die Hyperfeinstruktur der beobachteten Rotationsübergänge nachgewiesen. Diese Merkmale tragen zur Absicherung des Nachweises bei.
Zahlreiche Cyanoverbindungen wurden nachgewiesen, dies aufgrund der typischerweise beträchtlichen Dipolmomente, welche die polare •C≡N-Gruppe den Molekülen verleiht. Das Stammmolekül des Cyanovinyl-Radikals, Vinylcyanid, ist seit 1975 bekannt.
Nachstehend ist das einfach besetzte Orbital des Cyanovinyl-Radikals dargestellt. Der größte Teil des Radikalcharakters liegt auf dem mittleren der drei Kohlenstoffatome – wo ein Wasserstoffatom binden könnte, um wieder Vinylcyanid herzustellen – doch auch am Stickstoffatom findet sich ein geringer Anteil des Radikalcharakters. Die Anlagerung eines Wasserstoffatoms an dieser Stelle führt zum Polyenimin H2C=C=C=NH (Allenylimin).


