(Originalartikel unter https://www.astrochymist.org)

Ethanolamin (NH2CH2CH2OH) wurde von Rivilla und Mitarbeitern in der Quelle G+0.293–0.027 im galaktischen Zentrum nachgewiesen, wie 2021 in den Proceedings of the National Academy of Sciences berichtet. Zum Nachweis wurden das IRAM-30-m-Teleskop sowie das Yebes-40-m-Teleskop genutzt. Von 45 Rotationsübergängen, die in den Wellenlängenbereich der Beobachtungen fallen und bei einer Temperatur von 10–15 K eine ausreichende Helligkeit für einen Nachweis aufweisen, waren 14 entweder nicht oder nur geringfügig durch Übergänge anderer Moleküle überlagert und dienen der gesicherten Identifizierung. Kürzlich wurde Ethanolamin zudem erneut im galaktischen Zentrum, diesmal in der neu entdeckten, molekülreichen Wolke G+0.633–0.0604 nachgewiesen, was eine sehr sichere Bestätigung für das Vorkommen von Ethanolamin liefert.
Ethanolamin, genauer gesagt Monoethanolamin, ist in der chemischen Industrie der Erde wohlbekannt, wo es ungefähr 40 % des gesamten, 4 Milliarden US-Dollar umfassenden Weltmarktes für Mono-, Di- und Triethanolamin-Verbindungen ausmacht. (Mono)ethanolamin spielt zudem eine wichtige Rolle in der Biochemie, wo es als Kopfgruppe (wie Rivilla und Kollegen in ihrem Titel anmerken) von Phospholipiden fungiert, die in sämtlichen Zellen vorkommen und viele Zellmembranen mit aufbauen. Klicken Sie hier, um ein Molekülmodell eines bestimmten Phospholipids zu betrachten, welches veranschaulicht, wie Ethanolamin mit den übrigen Teilen des Moleküls verknüpft ist (die Webseite ermöglicht es Ihnen sogar, die hydrophilen und hydrophoben Bereiche des Moleküls hervorzuheben).
