Abell 3627 (mit ESO 130-001)

(Originalarbeit unter https://chandra.harvard.edu)

Zwei Schweife zeigen sich

X-ray: NASA/CXC/UVa/M. Sun et al.
H-alpha/Optical: SOAR (UVa/NOAO/UNC/CNPq-Brazil)/M.Sun et al.
X-ray: NASA/CXC/UVa/M. Sun et al.
H-alpha: SOAR (UVa/NOAO/UNC/CNPq-Brazil)/M.Sun et al.
Optical: SOAR (UVa/NOAO/UNC/CNPq-Brazil)/M.Sun et al.

  • Zwei bemerkenswerte Schweife aus Röntgenstrahlung sind hinter der als ESO 130-001 bekannten Galaxie entdeckt worden
  • ESO 130-001 stürzt in einen Galaxiencluster, dessen viel heißeres Gas das kühlere Gas der Galaxie herausreißt
  • Phänomene wie diese in ESO 130-001 haben eine erhebliche Auswirkung auf die Art, wie sich Galaxien entwickeln

Zwei eindrucksvolle Schweife aus Röntgenstrahlung sind mit dem Chandra-Röntgen-Observatorium beobachtet werden, die eine Galaxie hinter sich herzieht. Ein kombiniertes Bild des Galaxienclusters Abell 3627 zeigt Röntgenstrahlung von Chandra in blau, optische Strahlung in gelb und Strahlung des Wasserstoffs – bei Astronomen als „H-Alpha“ bekannt – in rot. Die Daten des optischen und des H-Alpha-Lichts wurden mit dem Southern Astrophysical Research (SOAR) Telescope in Chile gewonnen.

Vor den Schweifen befindet sich die Galaxie ESO 130-001. Der hellere der beiden Schweife ist bereits früher beobachtet und erstreckt sich über etwa 260,000 Lichtjahre. Die Entdeckung des zweiten, lichtschwächeren Schweifs war für die Wissenschaftler allerdings eine Überraschung.

Die Röntgenschweife wurden erzeugt, als kaltes Gas (mit einer Temperatur von circa 10 Grad über dem absoluten Nullpunkt) durch heißes Gas (rund 100 Millionen Grad) aus ESO 130-001 herausgerissen wurde, während die Galaxie sich in den Galaxiencluster Abell 3627 hinein bewegt. Astronomen beobachten mit Chandra im Grunde die Verdampfung des kalten Gases, das mit einer Temperatur von etwa 10 Millionen Grad strahlt. Hinweise auf Gas mit Temperaturen zwischen 100 und 1,000 Grad wurden mit dem Spitzer-Weltraum-Teleskop ebenfalls in dem Schweif gefunden.

Galaxiencluster sind Ansammlungen von Hunderten oder gar Tausenden von Galaxien, von der Gravitation zusammen-gehalten und von heißem Gas eingehüllt. Der zweigeteilte Schweif in diesem System kann sich gebildet haben, da Gas aus den beiden großen Spiralarmen von ESO 130-001 herausgerissen wurde. Man vermutet, daß das Herausziehen von Gas einen bedeutenden Einfluß auf die Entwicklung einer Galaxie hat; mit dem Entfernen von kaltem Gas aus der Galaxie findet die Bildung neuer Sterne in der Galaxie ihr Ende und verändert das durch die Auswirkungen der Sternbildung gegebene Erscheinungsbild der inneren Spiralarme und der zentralen Ausbuchtungen.

Die H-Alpha-Daten zeigen Hinweise auf Sternentstehung in den Schweifen – der erste eindeutige Beleg, daß Sternentstehung auftreten kann, wenn kaltes Gas aus Galaxien herausgezogen wird, während sie durch Cluster fallen. Die Chandra-Daten zeigen auch einen Überschuß an leuchtstarken, punktförmigen Röntgenquellen um die Röntgenschweife herum. Manche von ihnen gelten als junge massereiche Doppelsterne in Verbindung mit nah gelegenen jungen Stern-haufen, die noch mehr Hinweise auf Sternentstehung in den Schweifen liefern. Die Folgerung ist, daß ein großer Teil der Sterne zwischen Clustergalaxien vor Ort gebildet werden können.

Die Röntgendaten zeigen zudem, daß es nur geringfügige Änderungen in der Temperatur des heißen Gases in den Schweifen und nur wenig Änderung in der Breite der Schweife mit zunehmender Entfernung von ESO 130-001 gibt. Diese beiden Eigenschaften stellen die Wissenschaftler, die Simulationen der Galaxienschweife fertigen, vor Herausforderungen.

  • Kurzinformation:
  • Scale: Image is 5 arcmin across
  • Category: Groups & Clusters of Galaxies
  • Coordinates (J2000): RA 16h 13m 25.59s | Dec -60° 45´ 43.10″
  • Constellation: Norma
  • Color Code: X-ray (Blue); Optical (Yellow); H-alpha (Red)
  • Instrument: ACIS
  • Distance Estimate: about 230 million light years
  • Release Date: January 21, 2010
  • References: M. Sun et al. “Spectacular X-ray Tails, Intracluster Star Formation, and ULXs in A3627The Astrophysical Journal 708, Number 2