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Die Sternwarte

Das Observatorium

Bild: Observatorium Gesamtansicht 49,844° Nord, 8,663° Ost, 246 m über NN
Seit 1981 existiert unser Observatorium auf der Ludwigshöhe, einem beliebten Ausflugsziel im Süden Darmstadts und eine der höchsten Stellen der Stadt. Das Gebäude wurde mit sehr viel Arbeitseinsatz, zu einem großen Teil von den Vereinsmitgliedern selbst, auf- und ausgebaut. Die Beobachtungsgeräte verteilen sich auf eine große Rolldach-Plattform und eine Kuppel. Darunter befinden sich Werkstätten, Ausstellungs- und Gruppenräume, ein Vortragssaal und eine umfangreiche Bibliothek mit über 600 Bänden astronomische Literatur.

Die Beobachtungsplattform

Die Instrumente

TS ONTC Carbon-Newton (350 / 1600 mm, f / 4,6)

Bild: ITS ONTC Carbon-Newton Beim Hauptteleskop der Volkssternwarte Darmstadt handelt es sich um einen TS ONTC Carbon-Newton (Öffnung 14 Zoll, Öffnungsverhältnis f/4,6 bzw. 350/1600 mm). Dieser hat damit 45 mm mehr Öffnung als sein ausgemusterter Vorgänger (305/2100 mm), hat aber aufgrund der kürzeren Brennweite (größere Lichtstärke) einen deutlich kürzeren Tubus. Der Hauptspiegel ist ein Orion UK Suprax-Spiegel.

Mit zum Umfang des Teleskops gehören ein visuell und fotografisch einsetzbarer Komakorrektor (ParaCorr) und ein 31-mm-Nagler-Okular.

Die Montierung vom Typ Knopf MK70S ist eine der besten auf dem Markt. Sie trägt Teleskope bis uber 70 kg Gewicht und ist mit einer GoTo-Steuerung (FS2) ausgestattet. Zum neu angeschafften Equipment gehört auch eine CCD-Kamera Modell Moravian G2-4000 mit Filterrad und zahlreichem Zubehör.

CFF Refraktor (182 / 1260 mm, f / 6,92)

Bild: CFF-Refraktor

Die ungarische Firma CFF (Coma Free Field) stellt in Einzelanfertigung hervorragende Refraktoren her. Die Volkssternwarte hatte das Glück mit Hilfe der Tschira-Stiftung ein solches Teleskop gebraucht aber jung zu erwerben. Als voll korrigierter Dreilinser mit knapp 7,5" Apertur bietet dieses Gerät eine sehr kontrastreiche Abbildung und hat uns und unseren Besuchern schon viele vergnügliche Beobachtungsstunden ermöglicht. Aufgrund des moderaten Öffnungsverhältnisses von etwa f/7 sind Deep Sky genauso wie Planeten und Mond, aber auch mit entsprechendem Filter die Sonne geeignete Ziele.

Schwerpunktmäßig dient das Teleskop dazu Kinder und Jugendliche für die Astronomie zu begeistern und den Umgang mit den Geräten zu erlernen. Dazu gehört auch der fotografische Einsatz von einfacher Webcam für Planetenaufnahmen über die Spiegelreflexkamera bis hin zur Astrokamera der Sternwarte, die bereits am Newton eingesetzt wird. Ein 3,5" Okularauszug sorgt dafür, dass auch großformatige Kamerachips voll ausgeleuchtet werden können.

Mit der EQ8 von Skywatcher sitzt das Teleskop auf einer tragfähigen Montierung die die Möglichkeit gibt bei Bedarf über einen Computer angesteuert zu werden. Einmal eingestellt lassen sich mit dieser Montierung alle aktuell sichtbaren Himmelsobjekte automatisch anfahren.

Refraktor in Faltbauweise nach Nemec (200 / 4000 mm, f / 20)

Unter der 3-m Kuppel befindet sich ein Teleskop, das in seiner Bauweise inzwischen eine echte Rarität darstellt. Es handelt sich um den größten Refraktor, der von dem bekannten Münchner Ingenieur und Amateur-Astronomen Günther Nemec in der von ihm erdachten charakteristischen Faltbauweise konstruierte wurde. Mit diesem Teleskop gelangen ihm die seinerzeit besten Amateur-Aufnahmen von Mond, Sonne, Mars, Jupiter und Saturn, die noch heute ihresgleichen suchen - Bilder, die auch oft in Zeitschriften wie z.B. "Sterne und Weltraum" veröffentlicht wurden. Bild: Instrumente Nemec

Die Optik besteht aus einem 20 cm-Fraunhofer-Achromaten (FH 200 / 4000), der von Dieter Lichtenknecker nach Nemec' ganz speziellen Wünschen gefertigt wurde und daher eine ausgezeichnete Farbkorrektur aufweist. Der Strahlengang wird auf "halbem Wege" von einem Planspiegel gefaltet. Der Unterschied zum häufigeren Schaer-Refraktor besteht darin, daß der Lichtstrahl beim "Nemec" vom Fangspiegel, der dem Okularstutzen gegenübersitzt, radial durchs Rohr gehend reflektiert wird - ähnlich wie bei einem Newton-Reflektor. Das Okular sitzt infolgedessen knapp unterhalb des Objektivs. Bei einer derartig langen Brennweite fällt der durch die zusätzlichen Spiegelungen hervorgerufene Lichtverlust kaum ins Gewicht. Bei einem Öffnungsverhältnis von f/20 ist das natürlich ein ausgesprochenes Mond- und Planeten-Fernrohr.

Diese Bauweise macht aus einem Refraktor mit vier Metern Brennweite ein handliches 2-Meter-Rohr, obgleich hierfür wieder eine niedrige Säule wie beim Newton erforderlich ist. Der "Nemec" sitzt auf einer schweren SIDERES-Montierung. Das FH-Objektiv ist zwar nicht mehr das "Non-Plus-Ultra" unter den Refraktor-Optiken (qualitativ ist es längst von den modernen EDs, APOs und Fluorit-Achromaten eingeholt worden), aber trotz seines relativ "hohen Alters" (Baujahr 1964) ermöglicht dieses Teleskop noch immer ausgezeichnete Beobachtungen der Sonne, des Mondes und der Planeten, sowie langbrennweitige Astrofotografie und CCD-Astronomie - um nur das Wesentliche zu nennen.

Protuberanzen-Refraktor nach Nemec mit 180°-Strahlengang (125 / 1300 mm, f / 10,4)

Dieses ebenfalls (samt Montierung) von Günther Nemec konstruierte Instrument ist neben dem klassischen Nögel das wohl berühmteste seiner Art, es wurde schon vor gut 40 Jahren weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, als Nemec seine Bau- und Funktionsweise in "Sterne und Weltraum" beschrieb (G. Nemec, Das Protuberanzenfernrohr als Hochleistungsinstrument, SuW 10 - 11, 171 - 109 [6/1971 - 4/1972]). Bild: Instrumente Protuberanz Kernstück ist ein verkitteter, rot-korrigierter 12,5 cm-Achromat von Lichtenknecker (AK 125 / 1300). Die Hilfslinse mit der Kegelblende sitzt direkt vor zwei großen Prismen, die den Strahlengang um 180° umlenken. Dahinter - oder besser "davor" - sitzen das Zwischen-Objektiv, die Irisblende und das entsprechende H-alpha-Filter. Im Laufe der Zeit traten bei dem betagten Instrument natürlich "Altersbeschwerden" auf, wie auch bei uns das Bedürfnis nach Kompatibilität mit modernen Geräten oder Okularen - so daß wir zahlreiche Verbesserungen z. B. an der Nachführung, Okular- bzw. Kamera-Auszug und Filtern vorgenommen haben.

Auch diese Fernrohr-Konstruktion ist inzwischen technisch überholt: Heute gibt es Protuberanzen-Ansätze, die wesentlich kompakter und leichter sind und an fast jedes Teleskop angeschlossen werden können. Beobachtungen der Chromosphäre unserer Sonne mit Coronado-Filtern sind ebenfalls eine Alternative - wenn auch eine ziemlich teure ... Trotzdem ist der Protuberanzen-Refraktor nicht nur ein dekoratives Einzelstück, Günther Nemec hat mit diesem Gerät sehr schöne Aufnahmen der Sonne und des Planeten Mars (!) gewonnen - letztere natürlich ohne Kegelblende und H-alpha-Filter... Und wir beobachten und fotografieren mit dem "Nemec-Kasten" noch heute fleissig die Sonne.

Weitere Instrumente

Bild: Instrumente Reinfelder Schmidt-Cassegrain Meade 2120 (254 / 2500 mm, f / 10)
Schmidt-Cassegrain Lichtenknecker SCT 8 (200 / 2400 mm, f / 12)
Refraktor Reinfelder & Hertel (135 / 2500 mm, f / 15.5)

Die Erdbebenstation

Erdbebenstation des HLUG in der Volkssternwarte

Bild: Erdbebenstation Seismometer Bild: Erdbebenstation Computer Die Erdbebenaktivität in Hessen wird mit den acht seismischen Stationen des Hessischen Erdbebendienstes (HED) am Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) überwacht. Seit 2003 ist die Erdbebenstation Darmstadt in der Volkssternwarte Darmstadt integriert.

Die Station besteht aus einem etwa topfgroßen Seismometer, der ausserhalb der Sternwarte im Erdboden eingelassen ist.

Die analogen Schwinggeschwindigkeitsdaten dieses sog. "3-Komponenten-Seismometers Typ Mark L4" werden in einem 24-Bit-Wandler digitalisiert und über eine Datenleitung zu einem PC mit Linux-Betriebssystem übertragen. Die PC-Uhr wird über einen Funkempfänger durch DCF-Zeitsignal gesteuert. Auf dem PC werden die Daten in einem sogenannten "Ringspeicher" gespeichert, der Daten für einen Zeitraum von mehr als zwei Monaten vorhalten kann.

Bei Ausschöpfung des Speicherplatzes werden die jeweils ältesten Daten mit den aktuellen überschrieben. Alle Komponenten der Station sind an eine unterbrechungsfreie Stromversorgung angeschlossen. Der PC wird über eine DSL-Leitung vom Zentralrechner im HLUG in Wiesbaden aus angewählt. Dies erlaubt eine laufende Kontrolle der Funktionsfähigkeit der Station, eine Steuerung der Aufzeichnungsparameter und den Datenabruf.

Erdbebengefahr in Südhessen

Das HLUG wurde im Jahr 2000 vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten beauftragt, für Hessen - in Zusammenarbeit mit dem Institut für Meteorologie und Geophysik (IMG) der Universitat Frankfurt - ein Messnetz zur Erdbebenbeobachtung aufzubauen. Wie in benachbarten Bundesländern mit ähnlichem Erdbebenrisiko sollten hiermit sämtliche beobachtbaren Erdbeben, etwa ab Magnitude 1, erfasst werden. Das erforderte eine Verdichtung des grobmaschigen deutschen Regional-Erdbebennetzes, das von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) betrieben wird.

Bild: Chinabeben

Die historische, nur aus gefühlten Beobachtungen bekannte Seismizität kann somit besser beurteilt werden und als Endergebnis wird eine möglichst präzise Beschreibung des Erdbebenrisikos für sensible Bauwerke, vor allem im seismisch besonders aktiven südhessischen Gebiet von Taunus und Oberrheingraben, angestrebt. Nach augenblicklichem Kenntnisstand können sich im nördlichen Oberrheingraben immerhin Beben mit einer Magnitude von ca. 5 ereignen.

Bild: HED Stationsnetz

Die seismische Aktivität im Oberrheingraben ist nicht auf die Grabenrandstörungen beschränkt, sondern füllt den gesamten Graben aus. Herausragend war in dieser Region der Erdbebenschwarm von Groß-Gerau von 1869 bis 1871, als etwa 2000, meist schwache, Erdstösse beobachtet wurden. Im Taunus, mit einer Betonung auf dem Südrand und entlang des Mittelrheintals, wird eine weitere Erdbebenhäufung festgestellt.

Geologisch gesehen ist die Erdbebenaktivität eine Folge des Wechselspiels zwischen dem aus der Kollision von afrikanischer und europäischer Platte resultierenden Spannungsfeld und alten Bruchstrukturen.

Das Stationsnetz des HLUG ermöglicht die exakte Lokalisierung eines Bebens, auch das schwächste wird erfasst. Ziel des Netzwerkes ist die Präzisierung des Erdbebenrisikos für Hessen, auch wenn mit starken Beben in unserem Raum nicht zu rechnen ist. Empfindliche Bauwerke können so für mögliche Erschütterungen ausgelegt werden und ausserdem werden Erkenntnisse über die geologische Entwicklung der Region gewonnen.

Der Erdbebendienst des HLUG registriert nicht nur Erdbeben in Hessen. Die empfindlichen Geräte empfangen auch Schwingungen von Beben auf der gesamten Erde. Beispielsweise registrierte die Station Darmstadt das verheerende Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan am 12. Mai 2008 (siehe Abbildung).

Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie
Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie - Erdbeben